Everyone of us is a creative being. Creativity belongs to us. As children, we live it freely - playing, inventing, drawing, dressing up. We build forts from blankets, hunt for treasures in the woods, soar through the stars. The world is open, full of possibilities and adventure.
Then the space narrows. School, rules, expectations. Imagination is tolerated only within limits. As adults, we become spectators: at the theater, in the cinema, in galleries. We admire - and believe creativity is for the few, the especially gifted.
But creativity is not an achievement. It is a way of being: sensual, unpredictable, infinite.
It springs from play, not technique; from doing, not calculating; from trying without a plan.
Our sources are not gone, only buried - beneath schedules, duties, seriousness, perfectionism. Inspiration is attention: a snippet of conversation, a bird on the fence, a streak of light across the wall. From these sparks, everything begins: a story, a haiku, a dish, a screenplay.
Creativity returns when we give it space. When we open the door and welcome it like an old friend: “Hello - there you are! I’ve missed you.”
Wir sind von Natur aus kreative Wesen. Als Kinder leben wir sie selbstverständlich - beim Spielen, beim Erfinden, beim Zeichnen, beim Verkleiden. Wir bauen Höhlen aus Decken, suchen Schätze im Wald, fliegen blitzschnell durch die Sterne. Die Welt ist offen, grenzenlos und voller Wunder.
Allmählich wird der Raum kleiner. Schule, Regeln, Erwartungen. Fantasie wird nur noch geduldet, wenn sie in den vorgesetzten Rahmen passt. Als Erwachsene werden wir Zuschauer: im Theater, im Kino, in Galerien. Wir bewundern - und glauben, Kreativität sei nur für wenige, Auserwählte, besonders Begabte.
Doch Kreativität ist keine Leistung. Sie ist eine Art zu leben: sinnlich, unvorhersehbar, grenzenlos.
Sie erwächst aus Spiel, nicht aus Technik; aus Tun, nicht aus Kalkül; aus Probieren ohne Plan und ohne Ziel.
Unsere schöpferischen Quellen sind nicht verschwunden, nur verschüttet unter Terminen, Ehrgeiz, Stress und Perfektionismus. Inspiration ist kein Ereignis - sie ist Aufmerksamkeit. Sie erwächst aus dem Wahrnehmen: einem Gesprächsfetzen, der das Ohr streift, dem Vogel auf dem Geländer, einem Lichtstreifen auf der Hauswand. Daraus kann alles entstehen: eine Geschichte, ein Haiku, ein Gericht, ein Drehbuch.
Kreativität kehrt zurück, wenn wir ihr Raum geben. Wenn wir ihr die Tür öffnen. Wenn wir sie wie eine alte Freundin begrüßen: »Hallo – da bist du ja endlich! Hab’ dich vermisst!«
